Monatsandacht September

Des Windhaschers Grund - Des Windgetragenen Hoffnung


„Besser eine Hand voll Ruhe als beide Fäuste voll Mühe und Haschen nach Wind."

Prediger 4,6 (ELB)

 


Wünschen wir uns das nicht alle? Einfach etwas Ruhe. Eine Auszeit zum Energietanken, einen wohlverdienten Urlaub vielleicht, um dem Stress, der Arbeit, dem Leben mit all seinen Anstrengungen zu entkommen und das Abmühen ein wenig bedeutsamer erscheinen zu lassen.

Nicht aus einer Natur der Faulheit, nicht weil du einfach nur den ganzen Tag auf dem Sofa faulenzen willst, unbekümmert und ohne die kleinste Lust auf Anstrengung, sondern nur, um einfach mal abzuschalten, eine Pause; einfach keine weitere Anstrengung. Und was ist es nun, was du stattdessen bekommst? Nicht die versprochene Work-Life-Balance, das Ideal der gedrittelten acht Stunden, die Abschaltepausen, die du so dringend benötigst, oder? Und dann kommt dir der Gedanke wieder hoch, jetzt so richtig: Wozu das Ganze eigentlich?

Diese Frage trifft eigentlich genau den Kern der Mühe? Weißt du eigentlich, wofür du dich tagtäglich abrackerst, deinen inneren Schweinehund überwindest, dich ans Werk machst und deine physische und psychische Gesundheit aufs Spiel setzt? Ist es, um den nächsten Tag zu erreichen, aus einer Notwendigkeit heraus? Um den Traum einer besseren Zukunft aufrecht zu erhalten? Oder gar, weil dein Gemüt nach einer mühseligen Tätigkeit verlangt, sie dir ein gewisses Sinngefühl verleiht?

Lass mich dir selbst eine weitere Frage stellen: Mühst du dich unter Sonne ab, um die Früchte deiner Arbeit auch in einem sonnenbeschienenen Garten zu ernten, oder arbeitest du für einen Garten über der Sonne, auch wenn du manchmal Probleme hast, dir vorzustellen, dass deine Mühe überhaupt irgendwelche Früchte trägt dort oben – an einem Ort, den die Strahlen der Sonne ja gar nicht erreichen können. Denn das ist der erste Schritt auf dem Weg zur Ruhe: die Prüfung in Bezug auf die Ausrichtung der Mühe. Du wirst feststellen, dass zumindest ein paar Fingerglieder voll nichtiger Unkrautzüchtermühe sind - voller Windhascherei.

Hoffentlich wird dir auch dann irgendwann klar, dass es sich als äußerst schwierig erweisen dürfte, den Wind tatsächlich einzufangen. Dann sollte es an der Zeit sein zu lernen, sich von ihm umspülen und tragen zu lassen. Denn es ist Gottes Geschenk an uns, uns daran erfreuen und das Gute inmitten all der Mühe erkennen zu können.

Auch das ist nämlich eine Form der Ruhe; kein Ruhen in sich vom Abmühen, sondern die tranquilitätsstiftende Erkenntnis, dass die Mühe, die du aufbringst, nicht nichtig ist.

Auch wenn natürlich jeder mal faulenzend auf dem Sofa liegen darf, solange aus diesem Ideal des Ausruhens kein Unterfangen des Windfangens entsteht.

 

In diesem Sinne frohes Schaffen wünscht

Iasonas